Aufenthaltsqualität? - Abgestorben, aufgegeben: Bäume als Mahnung...

30.08.2017 08:57

Eine unvorstellbar laute und stinkende Blechlawine wälzt sich Tag für Tag von früh bis spät durch die Möllner Innenstadt...

Fußgänger und Radfahrer haben kaum Bewegungsfreiheit, müssen permanent große Mengen an giftigen Abgasen einatmen. - Doch wenn man in dieser Stadt von "Aufenthaltsqualität" spricht, ist stets nur das kommerzielle Angebot an Läden und Gaststätten gemeint.

Für unsere Atemluft brauchen wir gesundes Stadtgrün: Bäume haben vor Millionen Jahren Sauerstoff in die Atmosphäre gebracht und die Entstehung von unzähligen Arten - darunter auch der Mensch - erst ermöglicht. Doch wie gehen wir mit ihnen um?

Diese abgestorbenen und aufgegebenen Elendsgestalten stehen in der Möllner Innenstadt zwischen Kurpark und Hauptstraße (Aufnahme vom 30.8.). Es sind Rotdorne, die jetzt normalerweise in vollem Laub stehen...

Wenn im Hochsommer die Bäume einer ganzen Straße bereits ihr Laub verlieren, sollte uns das stutzig machen!

Dieser Baum ragt aus der Reihe der Trauergestalten ganz besonders negativ heraus...

Der Baum ist einen ganzen Winter lang mit riesigen Mengen Salz schwer misshandelt worden! Eine Straftat an öffentlichem Eigentum - doch die Stadt bleibt untätig.

Diesen schönen, gesunden Rotdorn auf einem Privatgrundstück  fotografierte ich im Juni in Büsum...

Und diese traurigen Gestalten waren die todgeweihten Rotdorne der Möllner Bergstraße Anfang August...

In diesem Zustand sind Bäume keine Schatten- und Sauerstoffspender, keine Feinstaub- und CO2-Entsorger, keine Wohnstatt für Vögel oder Insekten, sie wachsen nicht mehr, sie sind nicht einmal mehr dekorativ.

Durch die Sommermonate dokumentierte ich den Zustand der Bäume regelmäßig...

Dieser verkümmerte, todkranke Baum zeugt durch fortgeschrittene Blattrandnekrosen von fortgesetzter Misshandlung durch Streusalz....

...Bereits Anfang Juli war zu sehen, dass die Bäume krank sind...

Blattrandnekrosen zeigen früh im Sommer schwere Salzvergiftung an...

Viele Blätter sind bereits abgefallen, manche vollkommen vertrocknet, andere im Zustand der Blattrandnekrose...

Aufnahmen von Anfang Juli...

Die Im Mai blühten sie schier überbordend, alles schien in Ordnung. Doch Experten werten diese starke Blüte als Stresssymptom...

Doch die Freude währt nicht lange...

Dieser Baum wurde den ganzen Winter hindurch massiv gesalzen, zuletzt im Februar - da wurde nochmals Salz direkt auf die Versorgungsöffnung gekippt...

Das ist ganz klar ein Verstoß gegen die Baumschutzsatzung und die Straßenreinigungssatzung der Stadt Mölln - also eine doppelte Ordungswidrigkeit!

Doch wer glaubt, dass in Mölln oder anderswo Streusalzsünder zur Kasse gebeten werden, irrt. Die 500 Millionen Euro Bußgelder, die in Deutschland für Vergehen im öffentlichen Raum kassiert werden, gehen nahezu zu 100% auf das Konto von Falschparkern.

An dem geschädigten Baum zeigten sich bereits im Mai Blattrandnekrosen - in Verbindung mit vermindertem Blattaustrieb ein deutliches Zeichen der Chloridvergiftung...

In dieser Straße geht es auch den anderen Bäumen schlecht - der Boden ist durch und durch mit Salz verseucht. Deshalb sehen wir an allen Bäumen mehr oder weniger viel Totholz, verminderten Blattaustrieb und schütteren Wuchs durch das ganze Jahr...

Doch die auffälligste Abnormität sind Blattrandnekrosen, d.h. Absterben der Blätter vom Rand her. Dieses Phänomen dokumentiere ich bei salzgeschädigten Bäumen seit Jahren - doch noch nie habe ich es bei Bäumen so früh beobachtet wie dieses Jahr bei den geschädigten Rotdornen der Möllner Bergstraße. Aufnahmen vom Mai...

Ein so frühes Auftreten dieser Schädigung weist auf eine besonders hohe Salzkonzentration im Wurzelbereich des Baumes hin. Der Boden in der Möllner Bergstraße ist hoch mit Natriumchlorid kontaminiert. Den exzessiven Einsatz von Feucht- und Trockensalz durch Stadt und Anlieger habe ich in wiederholt dokumentiert...

Und so sind die Bäume nicht nur Opfer, sondern auch - solange sie nicht aus "Sicherheitsgründen" gefällt werden - unbestechliche Zeugen eines fortwährenden Verbrechens gegen die Umwelt und damit gegenüber uns selbst und nachfolgenden Generationen!

 

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