Das Biozid aus dem Supermarkt: hier wächst nichts mehr!

08.11.2017 17:00

Wir alle wissen um die Gefährlichkeit von Pestiziden wie Glyphosat oder Neonikotinoiden - ganz aktuell steht die Wiederzulassung des Monsanto-Gifts durch die EU auf dem Spiel. Keiner von uns könnte sich ernsthaft vorstellen, Gifte wie Roundup (Glyphosat) im Supermarkt-Regal neben Zucker und Mehl zu finden!

Doch ein anderes, breit wirkendes Biozid wird jeden Winter in unglaublichen Mengen vollkommen unreglementiert und ohne Warnhinweise in Lebensmittelgeschäften, Zoomärkten sowie Bau- und Gartenmärkten verkauft: Streusalz - ein Mittel, das gefährliche Langzeit-Wirkungen im Ökosystem entfaltet! 

Mein Salzversuch veranschaulicht es eindrucksvoll: trotz eines extrem niederschlagsreichen Sommers ist ein Blumentopf (rechts), der nur ein einziges Mal Anfang Mai mit einem Teelöffel Salz versetzt wurde, am 8. November bis auf einen schleimigen Fadenalgen-Befall ohne sichtbare Vegetation...

Der linke, ungesalzene Topf zeigt auch jetzt noch gesunden herbstlichen Bewuchs und klares Wasser...

Hier Aufnahmen vom 8. Oktober...

Auch der vielfache komplette Austausch des Wassers über Monate durch häufige und anhaltende Niederschläge konnte die toxische Wirkung von Natriumchlorid nicht rückgängig machen. Sie ist irreversibel!

Aufnahme vom 11. August , hier stand im ungesalzenen Topf noch ein gesunder Ahorn...

Der gesalzene Nachbar (rechts) hatte bereits im Juli sein letztes Blatt verloren...

Der Vergleichsbaum (links) lebt noch, hat lebendiges Begleitgrün und dient Insekten wie dem Käfer zur Speise. Der genetisch identische Versuchsbaum ist bereits seit dem 10. Juli komplett entlaubt. Es soll uns die Augen öffnen für den immer weiter kumulierenden Schaden, die wir unserer Umwelt durch den alljährlichen Eintrag von vielen Millionen Tonnen Salz antun...

das letzte verbliebene Blatt zeigt schwerste Blattrandnekrosen, d.h. es ist vom Rand her abgestorben. Ein deutliches Symptom der Salzvergiftung...

Was noch auffällt, ist die abgestorbene Erde ohne jegliche Begleitvegetation, die das gesunde Bäumchen reichlich aufweist...

8. Juli: nur zwei Monate nach dem Einpflanzen hat der mit einem Teelöffel Salz behandelte Ahorn nur noch ein einziges Blatt - erschütternd...

Der Salzversuch mit zwei genetisch identischen Ahorn-Setzlingen, die zu Versuchsbeginn gleich groß waren, begann am 6. Mai...

Zwei Monate danach sehen wir, dass der gesalzene Baum (rechts) so gut wie abgestorben ist. Er hat bereits Blätter verloren und hat schwerste Blattrandnekrosen...

Die Erde des gesalzenen Baumes ist ohne Leben, hat im Gegensatz zur gesunden Erde keinerlei Begleitvegetation...

Sie zeigt sogar bereits Fäulnissymptome: Blasen steigen auf...

2. Juli: Nach tagelangem Dauerregen sind beide Bäume "überschwemmt", doch der gesalzene Baum kann ein noch so großes Wasserangebot nicht verwerten. Er vertrocknet vor unseren Augen...

Die Erde des Versuchsbaumes sieht zudem absolut "tot" aus. Es gibt keine Begleitvegetation...

Die Wurzeln sind durch das Salz so nachhaltig geschädigt, dass sie das Wasser nicht mehr aufnehmen können. Vom Rand her sterben die Blätter ab...

So ergeht es auch unseren durch Streusalz-geschädigten Straßenbäumen. Bei Starkregen können sie zur Entsorgung der anfallenden Wasssermassen nicht beitragen.

25. Juni: heftige Unwetter mit Starkregen beendeten eine erste schwere Hitzewelle.  Die Feuerwehr musste in Mölln ausrücken und gegen Straßenüberschwemmungen kämpfen. Das Wasser reißt Erdmassen mit sich fort und legt Wurzeln frei...

Mein Salzversuch zeigt eindrücklich, wie hoffnungslos geschädigte Bäume bei Extremwetter überfordert sind: auf der Erde des "gesalzenen" Bäumchens (rechts) steht das Wasser, während der gesunde Baum und seine Begleitvegetation das Wasser zuverlässig aufgenommen haben...

Salz schädigt die Wurzeln der Bäume, so dass sie weniger Wasser aufnehmen können. Es vernichtet aber auch Begleitvegetation und Mikroorganismen, die für Bodenlockerung und Wasserspeicherung sorgen. Damit hat das (Streu-)Salz gleich mehrere schädliche Wirkungen auf die städtische Ökologie und Infrastruktur!

Die Blätter des Versuchsbäumchens erinnern an Blätter von Streusalz-geschädigten Bäumen, die ich hier im Juni 2014 zeigte, als die Böden nach dem Extremwinter 2012/2013 hochgradig mit Salz überfrachtet waren (unteres Bild)...

21. Juni: der Salz-Versuch zeigt alarmierende Ergebnisse. Vergleichen Sie die beiden Bäume, die beim Einpflanzen am 6. Mai gleich groß und beide vollkommen gesund waren...

Man sieht, dass der "gesalzene" Baum (rechts) bereits an allen Blättern fortgeschrittene  Blattrandnekrosen hat...

     Hier Aufnahmen vom 16.6. ...

Während die Blätter des gesunden Baumes makellos grün sind...

Noch etwas fällt auf: die Erde des mit Salz "gedüngten" Baumes schwimmt, d.h. sie nimmt deutlich weniger Wasser auf, zudem ist sie ohne jede Begleitvegetation, sie wirkt gegenüber der ungesalzenen Erde wie tot (oberes Bild)...

Es ist nachvollziehbar, dass das Salz in der Erde nicht nur den Baum schädigt, sondern auch Begleitpflanzen abtötet. Im Falle von erhöhtem Wasserangebot - wie das in der Stadt z.B. bei Starkregen der Fall wäre - können salzgeschädigte Bäume entsprechend wesentlich weniger Wasser binden. Damit können sie eine wichtige Funktion im urbanen Bereich nicht erfüllen.

9. Juni: erste Blattrandnekrosen als Zeichen der Salzvergiftung...

Die beiden Ahornsetzlinge stammen vom selben Baum und waren beim Einpflanzen am 6. Mai gleich groß ...

Der rechte Baum wurde mit einem gestrichenen Teelöffel Salz (normales Kochsalz = Natriumchlorid) "gedüngt"...

Einen Monat später sahen wir bereits, dass der gesalzene Baum (rechts) nicht nur massiv im Wachstum zurückgeblieben ist...

Er zeigt auch Symptome einer gestörten Chlorophyll-Bildung, sichtbar an der blassgelben Blattfarbe der kleinen Innenblätter ...

Blattrandnekrosen sind nicht einfach ein optisches Problem, sie zeigen vielmehr dass der Baum von innen heraus abstirbt. Bei Fortschreiten der Nekrosen kommt es zum vorzeitigen Laubfall bereits im Spätsommer /Frühherbst wie bei diesem Baum am Möllner Bauhof...

Und wo gesunde Bäume im Oktober noch in prachtvollem Laub dastehen...

...sind sie bereits entlaubt, haben nicht an Masse zugenommen und stehen für die biologischen Funktionen wie Sauerstoffbildung, CO2-Bindung, Feinstaubfilterung und als Schattenspender nicht mehr zur Verfügung...

Ganz abgesehen davon, dass ihre Lebenserwartung massiv verkürzt ist (von mehreren hundert Jahren in der Natur auf  nur 30 - 60 Jahre am Straßenrand) und sie dadurch auch einen enormen Kostenfaktor darstellen.

Streusalz und alle sonstigen Tausalze sind ein ernstes Umweltproblem, das dringend auf die politische Agenda gehört! Der Eintrag von Millionen Tonnen Salz jährlich in unser empfindliches Ökosystem ist unverantwortlich und mit einem (bereits vielfach widerlegten) "Sicherheits"-Mythos nicht zu rechtfertigen!

Salz muss als das behandelt werden, was es ist: ein chemisches Agens mit zahlreichen unerwünschten Langzeitwirkungen, das im Ökosystem über das natürlicherweise vorkommende Maß hinaus nichts zu suchen hat!

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